K U N S T Z E N T R U M C O L D A M

 

 
   

 
   

 

Gerhard Derk Jütting und Ehefrau Peternetta

 

Christoph Johann Jütting und Ehefrau Alberdiene Goemann

 

Agge Beekmann Jütting und Ehefrau Gerhardine Kratzenberg

 

   

Das Kunstzentrum in Coldam

-Streifzug durch die Geschichte-

Im Bereich des heutigen Jütting-Bauernhofes und des heutigen Kunstzentrums in Coldam besaß im Jahre 1719 der Erbgesessene Johann Jacobs einen Bauernhof (Heerd) mit 44,5 Grasen Land.

Gras ist ein altes Flächenmaß, das der Weide einer Kuh entspricht (je nach Region ca. 0,43 Hektar).

Der Sohn von Johann Jacobs, der Schüttemeister in Bingum und Deichrichter des Oberrheiderlandes Toncke Janssen, hat dann diesen Bauernhof zum Teil von seinen Eltern geerbt und zum Teil von seinen Miterben gekauft. I

m Jahre 1752 bestand der Hof aus einem Haus mit einer Küche und einer Kammer sowie einem kleinen Kohlgarten und 44,5 Grasen Land.

Da der Hof „ins Osten an dem Emsstrom“ und „ins Westen am Wege“ grenzte, hat der Hof wohl ursprünglich zwischen Deich und Coldamer Straße gestanden.

Die Coldamer Straße hatte früher als „Heerweg“, als wichtige Verbindung von Leer nach Weener und zum südlichen Rheiderland überregionale Bedeutung.

Am Deichfuß leicht erhöht gelegen war der Weg auch im Frühjahr und Herbst passierbar, wenn nach Schneeschmelze und ergiebigen Niederschlägen alle anderen Wege im Morast versanken. Denn die Wege waren damals üblicherweise nicht befestigt und bestanden nur aus Klei.

Erst 1854 mit dem Bau der Leerorther-Weener Chaussee, später Bundesstraße 75, heute Bundesstraße 436 bzw. Europastraße 22 (Emsstraße) genannt, verlor die Coldamer Straße ihre überregionale Bedeutung und wurde zur Anliegerstraße. 1891 wurde die Wegstrecke von der Leerorther-Weener Chaussee bis zum Coldamer Sieltief erstmals mit Klinkern gepflastert. 1961 folgte das zweite Teilstück bis Brathörn, zur Hälfte aus Verbundsteinpflaster und zur Hälfte aus einer Teereinstreudecke mit Asphaltfeinbeton.

Toncke Janssen war ledig („lebend in cölibata“) und vererbte den Bauernhof daher an die Kinder seiner Geschwister, seines Bruders Aylke Janssen und seiner Schwester Mayke Janssen, die mit Johann Everts aus Holtgaste verheiratet war.

Am 11.05.1763 starb Toncke Janssen in Bingum. Nachdem kurze Zeit später auch „der alte Junggesell“ Hemmo Janssen, der wohl als Bruder von Toncke Janssen betrachtet werden kann, am 06.04.1764 in Coldam gestorben war, verkauften laut Kaufvertrag in Bingum von 1764 (ohne näheres Datum) die Toncke und Hemmo Janssen Erben, und zwar Johann Everts (für sich und seine Miterben) und Jan Dirks (für sich und seine Miterben) den Bauernhof (Heerd) in Coldam an Harm Hesse aus Weener.

Harm Hesse, geboren am 10.01.1731 in Weener, erbaute 1803 einen neuen Bauernhof an der Stelle des heutigen Hofes, zusammen mit einer Ziegelei an der Stelle des heutigen Kunstzentrums, bestehend aus Pfannen- und Steinbude, Brandhaus und Trockenbude.

Am 23.07.1811 ging das Brandhaus der Ziegelei in Flammen auf, wurde aber wieder aufgebaut.

Im Jahre 1813 wurden rund 49.000 Steine und 96.000 Dachziegel in der Ziegelei hergestellt.

Der Steinofen konnte 7.000 Steine aufnehmen und wurde sieben Mal jährlich angezündet.

Der Pfannenofen auf der Coldamer Ziegelei war im Gegensatz zu anderen Ziegeleien des Rheiderlandes größer als der Steinofen.

Er fasste ca. 16.000 Pfannen und wurde sechs Mal jährlich abgebrannt.

Als Brennmaterial diente Torf aus Papenburg, das per Schiff über die Ems und die Coldamer Muhle angeliefert wurde.

Das Coldamer Sieltief mündete durch ein Sieltor im Deich und durch die Coldamer Muhde in die Ems, die damals noch unmittelbar hinter dem Deich vorbeiströmte.

Erst mit der Emsbegradigung im Jahre 1927/1928 wurde das Emsbett mehrere hundert Meter nach Osten verlegt.

Die Anlegestelle der Schiffe war allerdings wahrscheinlich außendeichs, der Torf wurde dann per Karren durch den zur Ziegelei gehörenden Deichdurchlass (Diekgatt) gebracht.

Die gebrannten Steine und Pfannen wurden ebenfalls über diesen Weg abtransportiert.

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 Am 14.06.1818 starb Harm Hesse in Weener. Die Erben übertrugen am 09.07.1821 und 31.08.1821 das Eigentum an den Sohn und Miterben Jan Hesse aus Weener.

Jan Hesse, geboren am 24.12.1759 in Weener, hat um das Jahr 1834 eine neue Pfannenbude nebst einer Knechtekammer für die Ziegelei errichten lassen.

Am 20.05.1838 pachtete und bewirtschaftete der ehemalige Landgebräucher auf dem Tergaster Grashaus Gerhard Dirks Jütting, geboren am 20.11.1787 in Barge, den Coldamer Bauernhof mit der Ziegelei für 7 Jahre von Jan Hesse aus Weener.

Nachdem Jan Hesse am 22.02.1840 in Weener verstorben war, haben seine Erben gemäß Kaufvertrag vom 09.05.1842 den Bauernhof in Coldam an den bisherigen Pächter Gerhard Dirks Jütting verkauft. Der Hof bestand zu dieser Zeit aus:

 

a)

einem Wohnhaus nebst Scheune, einem Kohl- und Gemüsegarten und 47,5 Grasen Landbesitz,

b)

einer Ziegelei mit einer großen Steinbude, einer Drögelbude (kleine Steinbude, Trockenbude ohne Gerüste) und einer Pfannenbude nebst einem Brandhaus und einer Knechtekammer,

c)

einem kleinen Arbeiterhaus.

 

In den nächsten Jahren des 19. Jahrhunderts wird in der Ziegelei Jütting konstant mit einem „Ploeg“ (einer eingespielten Arbeitsgruppe) unter einem Meister und einem Former gearbeitet, zunächst meist mit acht Arbeitern, ab Ende der fünfziger Jahre mit sieben und gegen Ende der sechziger Jahre mit sechs Arbeitern.

Nachdem Gerhard Dirks Jütting am 19.11.1858 in Coldam verstorben war und kurz darauf auch seine Ehefrau Aaltje Ulferts Cramer am 18.06.1859 in Coldam starb, erbte ihr einziges Kind Derk Gerhards Jütting den Bauernhof und die Ziegelei.

Derk Gerhards Jütting, geboren am 18.03.1813 in Tergaster Grashaus, hatte zunächst 1838 Aaltje Jacobs Huisinga, geboren am 14.12.1821 in Weenermoor, geheiratet und bewirtschaftete in Weenermoor einen Hof, wahrscheinlich aus der Mitgift seiner Ehefrau. Nachdem seine Frau aber am 28.04.1844 in Weenermoor früh verstarb, zog er mit seinem kleinen Sohn Gerhard nach Coldam zurück und bewirtschaftete dort den elterlichen Hof.

Er ging 1848 mit Noentje dina Hinrichs, geboren am 12.02.1828 in Neuburg, eine zweite Ehe ein und übernahm nach dem Tod seiner Eltern 1858/1859 den Hof als Erbe.

Gemäß Erbvertrag vom 13.10.1879 wurde der Sohn aus erster Ehe Gerhard Derk Jütting, geboren am 02.03.1839 in Weenermoor, zum 01.05.1880 als Erbe des „Heerdes“ in Coldam eingesetzt. Der Hof bestand zu dieser Zeit aus einem Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit Obst-, Kohl- und Gemüsegärten sowie der neben dem Platzgebäude gelegenen Ziegelei, bestehend aus einem Brandhaus mit einem Ofen zum Ziegelbrennen, einer am Tief gelegenen Bude (früher Pfannenbude, jetzt Kloppsteinbude nebst Wohnung für die Knechte), einer Trockenbude, einer langen Steinbude, einem am Deich gelegenen Arbeiterhaus, dem diesseits und jenseits des Deiches inklusive Deich und Diekgatt gelegenen Lagerraumes sowie 66,25 Grasen Landbesitz.

1880 wurden das Wohn- und Wirtschaftsgebäude von Gerhard Derk Jütting und seiner Ehefrau Peternetta Aggen Beekmann, geboren am 01.02.1835 in Hatzum, abgerissen und an gleicher Stelle neu aufgebaut. Dabei wurde allerdings die Lage gedreht: Der Wohnbereich zeigte nunmehr nach Westen zum Hammrich und der Wirtschaftsteil nach Osten zum Deich, während es vorher umgekehrt war. Der Wohnbereich lag damit an der 1854 erbauten Leerorther-Weener Chaussee, später Bundesstraße 75, heute Bundesstraße 436 bzw. Europastraße 22 (Emsstraße) genannt.

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Die Ziegelei wurde schließlich 1894 abgerissen. Sie war in den letzten Jahrzehnten nicht den Neuentwicklungen und der Technologisierung im Ziegeleiwesen angepasst worden und deshalb wahrscheinlich nicht mehr konkurrenzfähig.

Mit der Schließung der Ziegelei war der Deichdurchlass (Diekgatt) bedeutungslos geworden. Da die Instandhaltung der Tore arbeits- und kostenintensiv war, wurde er schließlich zugeschüttet. Bei der Deichverlegung und -erhöhung Mitte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts kamen die Mauerreste des Deichdurchlasses wieder zum Vorschein.

 

 Lageplan des Ortes Coldam mit dem Bauernhof und der Ziegelei Jütting um 1894.

 

        1) Bauernhof Jütting

       2) Wohnhaus

       3) Wirtschaftsgebäude/Scheune

       4) Ziegelei Jütting

       5) Große Steinbude

       6) Drögelbude (kleine Steinbude, Trockenbude ohne Gerüste)

       7) Früher Pfannenbude, jetzt Kloppsteinbude, mit Knechtekammer

       8) Brandhaus

       9) Arbeiterhaus

     10) Arbeiterhaus

     11) Lagerplatz für Steine

     12) Deich

     13) Deichdurchlass (Diekgatt)

     14) Coldamer Sieltief

     15) Coldamer Siel

     16) Coldamer Muhde

     17) Ems

     18) Hammrich

     19) Leerorther-Weener Chaussee, später Bundesstraße 75, heute Bundesstraße 43

             bzw.Europastraße 22 (Emsstraße)

     20) Heerweg, heute Coldamer Straße

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Im Jahre 1895 wurde an der Stelle der Ziegelei von Gerhard Derk Jütting ein weiterer landwirtschaftlicher Hof erbaut. Dieser Bauernhof hatte damals ein fast identisches Aussehen wie der Stammhof nebenan. Gemäß Vertrag vom 01.02.1900 übereigneten Gerhard Derk Jütting und seine Ehefrau Peternetta Aggen Beekmann am 01.05.1900 diesen Hof mit einem Arbeiterhaus und 10 Grasen Landbesitz an ihren dort bereits mit seiner Ehefrau wohnenden Sohn Agge Beekmann Jütting, geboren am 25.04.1868 in Coldam. Den ersten Bauernhof übernahm mit gleichem Vertrag ihr Sohn Christoph Johann Jütting, geboren am 07.10.1873 in Coldam. Dieser Hof bestand zu der Zeit aus einem Wohnhaus nebst Scheune, einem Kälberstall im Lande, Obst- und Gemüsegärten, einem Arbeiterhaus auf dem früheren Steinplatz der Ziegelei sowie 53,25 Grasen Landbesitz.

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Damit trennten sich die Wege des Jütting Bauernhofes und des heutigen Kunstzentrums in Coldam.

Agge Beekmann Jütting heiratete am 07.04.1896 in Weenermoor Elsine Gerhardine Kratzenberg, die am 12.02.1872 in Weenermoor geboren wurde. Ihre einzigen beiden Kinder, die Töchter Peternette Jütting, geboren am 05.07.1897 in Coldam, und Gretchen Jütting, geboren am 25.09.1898 in Coldam, starben beide in jungen Jahren kurz nacheinander am 03.03.1920 bzw. am 02.03.1920 in Coldam in Folge einer Lungenentzündung. Da es nunmehr keinen Hofnachfolger gab, adoptierten Agge Beekmann Jütting und Elsine Gerhardine Kratzenberg am 18.03.1930 ein Mädchen namens Frieda-Melitta, die nach der Adoption auch Agnes genannt wurde, wahrscheinlich abgeleitet vom Vornamen Agge des Adoptivvaters. Am 31.03.1935 starb Agge Beekmann Jütting in Coldam, am 07.09.1961 folgte ihm seine Ehefrau Elsine Gerhardine Kratzenberg.

Die Adoptivtochter und Erbin Frieda-Melitta (Agnes) Jütting wurde am 05.07.1918 in Schortens geboren und heiratete am 06.04.1950 in Berlin-Wilmersdorf Walter Karl Wolfgang Siegfried Krause, geboren am 10.04.1915 in Berlin-Friedenau. Sie bewirtschafteten den Hof in Coldam weiter. Nachdem Frieda-Melitta (Agnes) Jütting am 21.01.1970 in Coldam verstorben war, kehrte ihr Witwer Walter Karl Wolfgang Siegfried Krause nach Berlin zurück, wo er am 10.08.1993 starb.

 

Gerhard Jütting

 

   

 

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