K U N S T Z E N T R U M C O L D A M

 Kunstwettbewerb „Brücke/Brug“

 

Interventionen in der Verbindung

 

„Ich war steif und kalt, ich war eine Brücke, über einem Abgrund lag ich. Diesseits waren die Fußspitzen, jenseits die Hände eingebohrt, in bröckelndem Lehm habe ich mich festgebissen. Die Schöße meines Rockes wehten zu meinen Seiten. In der Tiefe lärmte der eisige Forellenbach. Kein Tourist verirrte sich zu dieser unwegsamen Höhe, die Brücke war in den Karten noch nicht eingezeichnet. – So lag ich und wartete; ich musste warten. Ohne einzustürzen kann keine einmal errichtete Brücke aufhören, Brücke zu sein.“

 

(Franz Kafka, Die Brücke, 1917)

 

Weil Brücken eine Körperlichkeit besitzen und in ihrer Anschaulichkeit ein Bild für das Trennen und Verbinden sowie für das Projizieren menschlicher Leiblichkeit in die Welt abgeben, war und ist das Wort Brücke - für den übertragenen Gebrauch in Metaphern, Symbolen und sprachlichen Bildern - äußerst beliebt.

 

Brücken sind die verbindenden visuellen/metaphorischen Elemente zwischen zwei Gebieten/Disziplinen/Meinungen die Grenzen aus der gebauten Umwelt, der natürlichen oder geformten Topographie oder der Kommunikation aufheben. Sie überwinden Verkehrswege, Mauern, Höhensprünge, Täler, Flüsse auf die gleich Art wie jegliche Unterschiede. Sie markieren den konstruierten menschlichen Willen unüberwindbare unterschiedliche Grenzen aufzulösen.
Brückenschläge haben einen verbindenden Charakter und sind typisch in einer Umgebung die aus Grenzen besteht. Sie sind in gebauter Form überschreitbar und ermöglichen den Austausch zwischen zwei Bereichen.

 

Was ist - über ihre unmittelbar praktische Zweckbestimmung hinaus - die Bedeutung der Brücken? Woher kommt ihr ästhetischer Wert, woher ihr metaphorisch-symbolisches Potenzial? Was bindet sie an die Natur und worin besteht ihre gesellschaftliche Funktion?

 

Brücken sind in vielen Bereichen unterschiedlicher Gesellschaften ein wichtiges Merkmal für den Willen einander kennen zu lernen.

 

Wo ist das jeweilige Überschreiten/Überwinden mit der Hilfe von Brücken im kulturellen Raum zu erkennen?

 

Die Zuordnung von gebauter und natürlicher Umwelt, das Erkennen/Benennen von Grenzen und Verbindungen, das Zulassen von Verbindungen und Brücken in physischem wie in metaphorischem Sinn soll dem Projekt eine inspirierende Spannung verleihen.

 

Dieser Wettbewerb richtet sich als Förderpreis und Ausstellungsplattform gezielt an Künstler und Kunststudenten in der Grenzregion Ostfriesland zwischen Deutschland und den Niederlanden.

 

Gesucht werden künstlerische Arbeiten und Konzepte zum Thema „Brücke/Brug“ entlang der internationalen Dollard Route, einem ca. 300 km langen deutsch-niederländischen Radwanderrundkurs (http://www.dollard-route.de) für die Hauptausstellung in der „Stallgalerie“ vom 11.Juni bis 18.Juni 2017.

 

 

 

Anzahl der Besucher
Kunstzentrum Coldam
info@kunstzentrumcoldam.com